TFP als Einbahnstraße – Teil 2 und Abschluss

 

 

 

Liebe Leute,

 

es gibt nun (für mich abschließende) Neuigkeiten im Bereich „Widerruf“ bei (TFP-)Zusammenarbeiten. Nachdem ihr  nach meinem ersten Beitrag (siehe hier: https://www.eikonas.net/photo/tfp-news) Interesse an diesen Neuigkeiten bekundet habt, gebe ich euch diese gerne weiter.

 

Eingangs – wie ihr seht, habe ich oben den Begriff „TFP“ in Klammern gesetzt. Warum? Weil es nach dem Erkenntnis des OGH aus dem Jahre 2003 völlig unerheblich ist, ob das Modell für eine Zusammenarbeit bezahlt wurde, oder nicht. Das Urteil (das ja keinen Unbekannten betrifft) nimmt Bezug auf eine Zusammenarbeit auf Honorarbasis. Das Modell wollte letztlich (auch das ist im Urteil nachzulesen) mehr Geld für die Bildveröffentlichungen, das wurde ihm nicht gewährt, daher hat es widerrufen.

 

Der langen Rede kurzer Sinn: Widerruft ein Modell – AUCH VÖLLIG OHNE Angabe von Gründen, hat man als Fotograf/in keinerlei Handhabe, sich diesem Widerruf zu widersetzen – und dies nach Aussage meines Anwalts nicht nur in einem Aktbereich, der den Kern der Persönlichkeitsschutzrechte betrifft, wie es das OGH-Urteil ausformuliert, sondern möglicherweise auch schon im Portraitbereich. Aber, wie ebenfalls bereits erwähnt: Dem Fotografierenden steht nach einem Widerruf die Forderung eines Ersatzhonorars zu.

 

Ich habe nun erörtert, welche Komponenten für die Berechnung eines Ersatzhonorars ausschlaggebend seien und wie hoch ein derartiges Ersatzhonorar (für mich) anzusetzen sein könne. Dies habe ich getan mit meinem Anwalt, der auch sehr stark in Urheber- und Bildrechten verankert ist. Dessen Ausführungen möchte ich euch nun zur Kenntnis bringen.

 

Relativ klar war mir selbst, dass ein Ersatzhonorar die Komponente „Arbeitszeit / Aufwand“ beinhalten würde. Dies habe ich für mich mit € 150,- pro Bild bemessen (Berechnungsgrundlage kann ich gerne nachliefern, wenn erwünscht). Diese Summe hat mein Anwalt absolut bestätigt – dies sei eine übliche durchschnittliche Summe, wenn es um die Berechnung eines Aufwandes für die Erstellung eines fotografischen Werks im Bereich People-Fotografie gehe (natürlich kann ein Aufwand in unserem und auch in anderen fotografischen Bereichen ungleich höher sein, das muss jeder für sich selbst bemessen letztlich).

 

Schwieriger zu greifen ist hingegen die Komponente „entgangene Werbemöglichkeiten“. Meine Frage an meinen Anwalt war: Ist die Einbeziehung dieser Komponente schlüssig und wenn ja, welche Höhe könnte gerechtfertigt sein.

 

Zum Teil 1 der Frage, der grundsätzlichen Berechtigung der Komponente „Werbemöglichkeit / Eigenwerbung“: Hierzu ein klares Ja – der Entfall von Eigenwerbemöglichkeit ist absolut miteinzubeziehen – abzüglich des Anteils der schon erfolgten Eigenwerbemöglichkeit während der Zeit der Veröffentlichung. Daran wird schon deutlich, dass Teil 2 der Fragestellung: „Wie hoch ist der Anteil des Werbeentfalls“ zu bemessen?“ nicht mehr so einfach zu greifen sein wird. Letztendlich – so mein Anwalt – seien wichtige Parameter für den Werbewert eines Bildes unter anderem Reichweite des Fotografierenden bzw. des Bildes in (elektronischen) Medien. Konkret: Ein(e) Fotograf/in, deren/dessen Homepage zum Beispiel zwei Zugriffe im Jahr zu verzeichnen habe, werde wohl keinen allzu hohen Werbewert der Bilder geltend machen können. Letztlich sei im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung der Werbewert eines widerrufenen Bildes immer von einem Sachverständigen zu bemessen. Wichtig sei daher, die Reichweite eines Bildes, dessen Veröffentlichung widerrufen wird, nachzuweisen (Dokumentation Zugriffe, Kommentare, Likes, … beim Bild – nicht nur eine eigene Homepage zählt, auch andere Online-Präsenzen, wie bei mir zum Beispiel 500px, wo ein Bild zwischen 10.000 und 40.000 Klicks erhält). Merke: Die Reichweite zu dokumentieren, bevor man das Bild löscht, ist also sehr wichtig.

 

Jedenfalls solle eine Summe angenommen werden, mit der a priori der Werbewert eines Bildes beziffert werde und dies solle auch in einem Vertrag dokumentiert werden. Es sei dann gegebenenfalls Sache der Gegenpartei, nachzuweisen, dass der Werbewert eines Bildes nicht so hoch sei, wie vom Urheber angegeben (= Sachverständiger). Auch eine außergerichtliche Einigung sei immer leichter zu erwirkeni, wenn man eine konkrete Summe definiert habe, als wenn im Vertrag nur unbestimmte Größen vorhanden seien.

 

Für mich haben mein Anwalt und ich eine Summe von € 200,- Werbewert pro Bild festgemacht. Dieser Wert sei nach Aussage meines Anwalts sehr angemessen und fair.

 

Mein Vertrag beinhaltet demnach nun eine Ersatzhonorarsumme pro Widerrufsbild von € 350,- (€ 150,- Aufwand und € 200,- entgangener Werbewert). So werde ich das in Zukunft handhaben. Möglicherweise wird das das eine oder andere „Modell“ (unter Anführungszeichen, damit wir uns eine neuerliche Diskussion über den Modellbegriff ersparen können) abschrecken und das ist auch gut so.

 

Eine Summe in derartiger Höhe als Ersatzhonorar im Widerrufsfall ist nicht nur angemessen (wie mir im anwaltlichen Gespräch versichert wurde), sondern dokumentiert

 

a) … dass Zusammenarbeiten mit mir im fotografischen Bereich keine Scherze sind und nicht wie abgetragene Unterhosen weggeworfen werden können

b) … dass meine Bilder einen Wert besitzen, dem mit Respekt zu begegnen ist.

 

Ich kann daher nur alle Menschen, die mit mir als „Modell“ zusammenarbeiten wollen, ermutigen, sich VORAB Gedanken über die Art und Weise der Zusammenarbeit und deren Konsequenzen zu machen. Ich überrede wahrlich niemanden zu irgendetwas – und wenn es dann soweit ist und ich in Vorbesprechungen ganz klar Auswirkungen und Konsequenzen einer Zusammenarbeit mit mir erläutert habe, dann erwarte ich und gehe ich davon aus, dass meine Vertragspartner/innen als mündige/erwachsene/volljährige Menschen wissen, dass Vereinbarung geschlossen wurden, aus denen Rechte und Pflichten erwachsen. Dann steht einer respektvollen und hochwertigen Zusammenarbeit nichts im Wege!

 

Im Übrigen stelle ich meine Philosophie meiner Zusammenarbeiten gerade auf völlig neue Beine – es gibt schon erste fantastische Ergebnisse, die ihr hier einsehen könnt und von denen auch ihr profitieren könnt:

https://www.eikonas.net/photo/events

 

Hier ist für Interessierte ein Link zu meinem somit derzeit geltenden TFP-Vertrag:

https://www.eikonas.net/photo/material/20170131_Modelvertrag_Eikonas_Fotografie_TFP_klassisch.pdf

 

Und wer darüber hinaus in EIKONAS-Belangen informiert werden möchte, der kann sich gerne für meinen Newsletter anmelden – ich freue mich:

https://www.eikonas.net/photo/newsletter

 

ich hoffe, meine Ausführungen waren interessant und vielleicht auch in der einen oder anderen Weise hilfreich für euch. Natürlich habe ich eine Situation geschildert, die für mich persönlich Geltung hat. Die Ausführung sind daher eines sicherlich nicht: Eine rechtsverbindliche Aussage oder gar „Beratung“, auf die ihr euch in (hoffentlich niemals auf euch und uns zukommenden) Streitfällen berufen könnt. Dazu habe ich aus vielerlei Gründen (unter anderem vor allem , dass ich nicht rechtskundig bin) nicht das Pouvoir. Aber viele Situationen sind immerhin vergleichbar, so dass meine Schilderungen für euch vielleicht durchaus den einen oder andern Anhaltspunkt geben können.

 

Eines ist dieser Artikel auch nicht – eine „Kampfansage“ an Modelle. Ich schätze die Zusammenarbeiten mit respektvollen und ehrlichen Menschen. Den Respekt und die Wertschätzung, die ich jenen entgegenbringe, die mit mir arbeiten wollen, den erwarte ich auch selbst zu erhalten. Und ich möchte das Bewusstsein stärken, dass Zusammenarbeiten keine Scherze sind, sondern wertvoll – dass Bilder einen Wert besitzen. Für meine Modelle ebenso wie für mich. Unter diesen Prämissen freue ich mich auf viele tolle Zusammenarbeiten.

 

In diesem Sinne ein schönes Wochenende und immer gut Licht!

 

Günther – EIKONAS Fotografie